26.07.2013

Creatavist: Grenzenloses Storytelling

Beim Crossmedia Storytelling liegen Anspruch und Wirklichkeit oft weit auseinander. Text, Fotos, Videos und Sound zu einer Geschichte zusammengeschnürt: Das ist toll, kostet aber auch viel Arbeit. Zumindest das Zusammenbringen des schon gesammelten Materials erleichtert der Online-Dienst Creatavist.


Analoges Zeitunglesen war gestern(flickr -  Boston Public Library - CC BY-NC-ND 2.0)

Analoges Zeitunglesen war gestern(flickr – Boston Public Library – CC BY-NC-ND 2.0)

Crossmedia Storytelling heißt, die Grenzen zwischen Mediengattungen zu überwinden. Alles eins werden zu lassen ist aber gar nicht so einfach. Für mich hieß das bisher: Einen Text in meine Blog-Software füllen, Fotos dazupacken – damit sind die Grenzen meines Blogsystems auch schon erreicht. Sounds lade ich deshalb auf Soundcloud hoch und bette sie dann ins Blog ein; Videos kommen von den entsprechenden Videoplattformen. Creatavist vereint all dies und noch einiges mehr auf seiner Plattform.

Creatavist ist allerdings keine Blogging-Plattform, sondern eher für lange, mit viel Liebe gemachte Geschichten gedacht. Das zeigt sich spätestens nach dem Login: Ich werde aufgefordert, ein neues Projekt anzulegen. Diesem sollte ich nicht nur einen Namen und eine Beschreibung geben, sondern auch ein Coverbild. Innerhalb des Projekts kann ich Kapitel anlegen. Creatavist ist ein Werkzeug zum Erstellen von Ebooks mit mehreren Kapiteln oder digitalen Magazinen mit mehreren Artikeln.

Jede Menge Extras

Beim ersten Ausprobieren bin ich etwas überfordert. Creatavist bietet so viele Möglichkeiten! Aber das ist natürlich auch das Interessante an der Cloud-Software. Also der Reihe nach: Beim Anlegen eines Kapitels kann ich entscheiden, ob es Text enthalten soll oder vielleicht nur aus einem ganzseitigen Bild, einer Bildergalerie, einem Video oder einer Website besteht.

Die meisten Kapitelvorlagen lassen sich mit Extras zu einem multiplen Medienerlebnis machen. Natürlich kann ich Bilder und Videos einbinden oder auf Websites verlinken. Das Übliche. Aber ich kann beispielsweise auch einen Kartenausschnitt beim Klick auf ein Wort erscheinen lassen. Ich kann in der Geschichte erwähnte Zeitpunkte auf einer Timeline markieren. Oder Fußnotentexte einfügen.

Audios als Hörbuch oder Soundtrack

Die meisten Möglichkeiten bietet Creatavist für das Einbinden von Audios. Den Text eines Kapitels als Hörbuch hochladen ist eine Möglichkeit, die ich habe. Beim Abspielen scrollt der Text auf dem Bildschirm dann automatisch mit. Wenn ich auf „Soundtrack“ klicke, wird die MP3-Datei zur Untermalung in Dauerschleife abgespielt. Und schließlich lassen sich Audios auch in Texte einbinden und werden nach einem Klick in einem Popup-Player abgespielt.

Grenzen überwindet Creatavist aber nicht nur in den Medienformen, die ich dort hineinladen darf, sondern auch beim Output. Meine Stories (eine ist kostenlos, danach zehn US-Dollar pro Monat) erscheinen nicht nur auf meine-seite.creatavist.com, sondern – wenn ich es will und das Häkchen setze – auch in der Creatavist-App. Andere Häkchen sind noch interessanter: Ich kann meine Kreationen in verschiedenen Ebook-Formaten herunterladen: für Kindle, Nook, Kobo, iBooks und als ePub. Die exportierten Dateien darf ich dann auf den entsprechenden Plattformen einstellen, anbieten und verkaufen.

Anspruch und Wirklichkeit

Creatavist erfordert etwas Einarbeitungszeit. Nicht alles ist selbsterklärend, die Hilfe könnte ausführlicher sein. Allerdings läuft das System noch unter „Beta“, ist also eine Vorabversion – auch wenn es bereits Geld kostet. Mit etwas Übung wird jeder, der ein Blogsystem bedienen kann, mit Creatavist crossmediale Stories erstellen können. Um diese richtig beeindruckend aussehen zu lassen (wie etwa BULGER ON TRIAL), braucht man aber vermutlich nach wie vor einen Webdesigner. Das Gute: Möglichkeiten zu sehr weitgehender individueller Anpassung sind vorhanden.

Creatavist lässt Crossmedia-Stories viel leichter Wirklichkeit werden – allen Ansprüchen kann es aber noch nicht gerecht werden.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in: JOURNALISMUS & TECHNIK, NEU, Neue Formate, Produzieren, Publizieren

1 Kommentare zu diesem Artikel


  1. an_ex_creatavist_user

    creatavist is an awful tool and very unserious offer to web-base journalist out there:

    i have been using their mid-size plan paying $10 monthly
    receiving a product and service which costed me a lot of time trouble and nerves

    for weeks and weeks i have been working on an larger article that i wanted to publish via creatavist
    the customer support was terribly slow in replying (up to one week for an email reply was usual),
    staff couldn’t understand simples questions and was extremely unhelpful, showing from email to email how little their own staff actually understand and master their own product

    my content was suddenly diapering, their content menu was permanently crashing, i couldn’t delete content – after deleting was enabled and after i deleted ALL my files i was still using up 450 MB and nobody of their support could deal with that – even after explaining it in multiple emails: they kept on repeating the same questions: „what would you like me to do?“

    especially non US journalist i would like to warn to use their services:
    because if you want to sell you articles/content without being an US citizen you have to pay $250 per month for an account in order to have that option.
    they lure you with their mid-size account that you will be able to do so, but it turns out as impossible
    so why even bother to deal with creatavist because for that price you can find such other & better options to publish your work

    their content/size/quality management is very inefficient and makes you waste A LOT of their web-space, making articles very big and MB-heavy and hard/slow to load in browsers and on tablets

    exporting / publishing to other platforms (kindle, ibooks etc) is very inefficient: because the layout that you have once created looks very very poor and out of shape once it was translated via creatavist — it looks so bad that you can actually start layouting you article for those other platforms via other tools (like ibook author etc)

    when i express words of criticism via their facebook page,
    (basically an
    it was either deleted or hidden

    i could go on listing here plenty of other very annoying things & bugs,
    but i guess i wasted enough of my time with them

    WHY DO THEY GO PUBLIC WITH SUCH AN UNFINISHED PRODUCT IS A REALY MYSTERY TO ME (and how they could get away with that for so long)

    be warned, stay away from creatavist