09.07.2015

Schritt für Schritt zur Webreportage: Line

Scrollen ist das neue Blättern – mit dem Programm Line können Online-Journalisten interaktive und multimediale Zeitstrahlen basteln.

Immer häufiger geht es mit Geschichten im Netz ganz schnell abwärts. Nicht mit der Qualität, wohl aber mit der Leserichtung. Scrollytelling ist auch 2015 noch die angesagteste Form großer Multimedia-Storys. Wer seine schönsten Geschichten veredeln will, kann dafür eine ganze Reihe von Werkzeugen nutzen. Line ist so ein Programm, das es erlaubt, scrollbare Zeitleisten kostenlos zu basteln. Angestaubte historische Fakten können so multimedial in Form von Videos, Audios, Bildern oder kurzen Texten aufbereitet werden. Anders als bekanntere Programme wie Timeline JS oder Dipity setzt Line auf das vertikale Erzählen – und liegt damit im Scrolly-Trend.

Eine Komplettansicht gibt es hier.

Das Programm entstammt einer türkischen Entwicklerschmiede und ist denkbar einfach zu bedienen. Hat man sich erst einmal auf der Homepage angemeldet, begrüßt ein aufgeräumtes Menü. Ereignisse werden auf der linken Seite erstellt und im mittleren Bereich mit Text angereichert. Dann können Bilder, Videos, Audios, Tweets oder Infografiken eingebettet werden. Line erlaubt eine ganze Vielzahl von einbettbaren Drittanbietern. Neben Youtube und Vine auch Soundcloud, Spotify, Flickr, Instagram und Tumblr. Auch GIFs sind erlaubt.

Das versteckte Feature

Wird ein Medium eingefügt, erscheint es Sekunden später auf der rechten Vorschauseite. Bildunterschriften, Standorte und der Zeitpunkt des Events können dann noch nachgebessert werden. So hangelt man sich von Event zu Event, bis am Ende eine ganze Zeitleiste steht. Dann heißt es nur noch publizieren und die Zeitleiste steht als eigene Webseite zur Verfügung. Sie kann nun über Twitter und Facebook verbreitet werden. Für Journalisten weitaus interessanter ist der ebenfalls mitgelieferte Einbettungscode. Wer diesen auf dem eigenen Blog oder einer Webseite einfügt, zieht sich die Zeitleiste auf die eigene Seite.

Hier erstellen und ordnen Sie die Events.

Im mittleren Bereich werden die Events mit Medien und Text angereichert.

Am Ende wird die Zeitleiste publiziert und über einen Einbettungscode in die eigene Webseite eingebettet.

Einen kleinen Geheimtrick gibt es bei Line übrigens auch. Die URL der Seite mit der fertigen Timeline endet stets mit dem Wort „vertical“. Ersetzt man dieses durch „horizontal“ verwandelt sich die senkrechte Zeitleiste in eine waagerechte. Hier schrauben die Entwickler wohl an einem neuen Feature, das noch nicht publik gemacht wurde. Auch waagerechte Line-Strahlen sind einbettbar.

Minimalistisch, benutzerfreundlich und kaum bekannt

Ungeachtet von der Ausspielart verzaubert Line durch ein minimalistisches Design. Hier lenkt die Form nicht vom Inhalt ab. Line ist responsiv programmiert, Zeitleisten passen sich also der Größe des Displays an. Bedauerlichweise lässt sich an dem Layout nicht schrauben. Nada. Farben können nicht verändert werden, andere Styles sucht man vergebens. Gegenüber Line sind Instagram-Filter eine Eruption an Individualität. Das schmerzt.

Auch bei der Bedienung offenbaren sich noch einige Kinderkrankheiten. Wer aus der Vorschau seiner Zeitleiste in den Bearbeitungs-Modus zurück will, wird eine Weile nach dem richtigen Button suchen müssen.

Doch die ansonsten leichte Bedienung und das ästhetische Endprodukt lassen diese Kritikpunkte beinahe verschwinden. Line-Zeitstrahlen sind schön, simpel zu erstellen und in Deutschland noch kaum bekannt. Hier kann man tatsächlich noch Leser und Kollegen beeindrucken.

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Twittern: Line – ein schickes Zeitstrahl-Programm zum selber ausprobieren

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